Über die Entstehung eines Klosters

Sonderausstellungen stärken Kooperationen: Ab dem 8. August 2020 war unser langjähriger Partner, der Geschichtserlebnisraum Roter Hahn, mit der kleinen Schau »Geschichte(n) zum Erleben. Das Klosterbauprojekt 2026« bei uns zu Gast. Doch in den letzten Wochen ist es bedingt durch den Lockdown still geworden. Aber wir möchten unsere gemeinsame Sonderausstellung nicht sang- und klanglos verabschieden. Allen, die nicht die Gelegenheit für einen Besuch vor Ort hatten, steht nun ein virtueller Rundgang zur Verfügung.

Seit der Eröffnung unseres Museums haben wir viele nette Menschen bei uns begrüßen dürfen. Manche waren interessierte Besucher:innen, andere begeistere Unterstützer:innen oder engagierte Förder:innen. Doch manchmal entsteht aus einer geteilten Leidenschaft eine beständige und ertragreiche Freundschaft. So erging es uns im Jahr 2017 mit den Pädagog:innen des Geschichtserlebnisraum Roter Hahn e. V. Mit ihrem einzigartigen Konzept Geschichte(n) für Kinder und Jugendliche zum Leben zu erwecken, bereichern sie in Kücknitz Roter Hahn als außerschulischer und offener Lernort das Quartier seit 1998. Schnell war klar: Sowohl das Team des Geschichtserlebnisraums als auch die Mitarbeiter:innen des Europäischen Hansemuseums sind wahre Enthusiasten, wenn es um unser Lieblingsthema geht: die Geschichte des Mittelalters.

Der Geschichtserlebnisraum in Kücknitz

Seit dem entwickeln wir erfolgreich gemeinsame Bildungsformate für Schulen, fördern und fordern in einem erweiterten Netzwerk die Kompetenzen der Kinder- und Jugendgruppe „De Rümdriewer“ und laden uns immer wieder gerne gegenseitig zu Sommer- und Museumsfesten ein. Aber auch als Bildungs- und Kultureinrichtungen kommen wir für einen regen Austausch zusammen. Wir tauschen uns über Methoden zur erfolgreichen Vermittlung aus, diskutieren anstehende Projekte, neueste archäologische Funde oder genießen einfach einen guten Becher Kaffee zusammen. So auch im Frühjahr 2020, noch vor dem ersten Lockdown. Unsere Begeisterung für Social Media und digitale Vermittlung, vor allem für die Plattform Instagram, brachte uns auf die Idee, unsere jeweiligen Kanäle und Themen vernetzter zu denken. Unser ausgemachtes Ziel war, die Stärken des jeweiligen Partners hervorzuheben. Der Geschichtserlebnisraum mit seiner langjährigen Expertise als handlungs- und erlebnisorientierter Lernort sowie das Europäische Hansemuseum mit seinen vielfältigen Kompetenzen im Bereich Wissenschaft, Kultur und Bildung ergänzen sich stets positiv, so unsere Meinung.

Das Ergebnis war jedoch – überraschenderweise – zuerst ein Analoges, welches in einer beachtlich kurzen Zeit und mit Begeisterung auf beiden Seiten in der Sonderausstellung »Geschichte(n) zum Erleben. Das Klosterbauprojekt 2026« seine Umsetzung fand und das bisher größte Bauprojekt des ehemaligen Bauspielplatzes in den Fokus rückt: Der Rekonstruktionsbau einer mittelalterlichen Klosteranlage nach Norddeutschem Vorbild. Ein echtes Mammutprojekt, das nach jahrelangen Planungen, der zwischenzeitlichen Fertigstellung einer Holzkirche samt Glockenturm und der Beteiligung unterschiedlicher Spender:innen und Projektbeteiligten seinen Grundstein im September 2018 legte. Seit dem hat sich viel getan und mit der Hilfe zahlreicher Handwerker:innen ist das Hauptgebäude, das Refektorium samt Küche, fast fertiggestellt. Im Ofen kann bereits ein Feuer entfacht werden, die Wände sich hochgemauert, das Dach in Mönch und Nonne eingedeckt und Bleiglasfenster zieren die hölzernen Fensterrahmen. Sogar die Gartengestaltung hat bereits begonnen. Und auch wir vom Europäischen Hansemuseum haben unseren Beitrag geleistet und werden uns in der fertigen Anlage verewigen: Von uns gespendete mittelalterliche Backsteine sollen das Pflaster des künftigen Kreuzganges zieren. Ganz nach der Devise der DIY-Szene: Aus Alt mach Neu. Die alten Klosterbacksteine kehren in ein Kloster zurück. So werden Besucher:innen sich der Besinnlichkeit hingeben und  dem Geiste der Dominikaner des Burgklosters zu Lübeck verbunden fühlen können.

Das fast fertige Kloster

In unserer Sonderausstellung zeigten wir anhand von ausgewählten Objekten, was offenes Leben und Arbeiten mit Schwerpunkten der Geschichts- und Umweltpädagogik leisten kann und gewährten einen Einblick in das ambitionierte Bauprojekt der Klosteranlage. Wir zeigten die Reproduktion eines slawischen Kochtopfes, welcher so viel Patina aufweist, dass er als archäologischer Fund durchgehen könnte, detaillierte Kirchenmalerei mit Farben nach historischer Rezeptur und – als Highlight – das Modell des entstehenden Klosters. Oder sollten wir besser sagen wir zeigen? Denn hier kommen wir wieder zu unserem ursprünglichen Anliegen: Die Stärkung unserer digitalen Zusammenarbeit. Diese äußert sich im ersten Schritt als nachhaltig gestalteter virtueller 3D Rundgang durch unsere kleine Schau in der Langen Halle des Burgklosters. 24/7, bei Tag und bei Nacht. Weitere Schritte werden sicherlich folgen und unsere Freundschaft zu neuen Projekten tragen.

Und so gilt zu guter Letzt wie je zuvor: Geschichte prägt. Schon als Kind bilden wir durch sie unsere Identität. Doch wäre es nicht aufregender, wenn wir es ermöglichen, Geschichte zum Leben zu erwecken und selbst Teil davon zu werden? Und unsere gemeinsame(n) Geschichte(n) ist noch lange nicht zu Ende erzählt. Bleiben Sie gespannt!