Ausstellungs-Historie

2019

26. Mai – 7. Juli 2019

© Charleen Bermann

Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, während der Weimarer Republik ein politischer Wehrverband zum Schutz der demokratischen Republik. Eine Wanderausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand im Europäischen Hansemuseum stellt das Reichsbanner vor.

Manche Urteile über diese Zeit vermitteln, die Katastrophe wäre unvermeidlich gewesen: „Die Weimarer Republik war eine Demokratie ohne Demokraten, ihr Ende vom Anfang an vorgezeichnet!“ Solche Pauschalaussagen stellen aber nur einen Teil der Realität dar. Befürworter und Verteidiger von Republik, Demokratie und Rechtsstaat kämpften durchaus für ihre Ideale. So wurde das „Reichsbanner“ als republiktreuer, überparteilicher Veteranenverband gegründet.

Dem Verband traten über eine Million ehemaliger Weltkriegssoldaten und viele andere Demokraten aus SPD, DDP und Zentrumspartei bei. Darunter auch der erste Bundespräsident Theodor Heuss, die Frauenrechtlerin Marie-Elisabeth Lüders oder der Lübecker Reichstagsabgeordnete Julius Leber. Solche unterschiedlichen Biographien zeigen die Bandbreite von Reichsbannermitgliedern und verknüpfen die erste deutsche repräsentative Demokratie mit jener, in der wir heute leben.

02.04. – 02.06.2019

© Olaf Malzahn

HanseHeroes sind ein Format des Europäischen Hansemuseums, das die vielen Hansestädte der langen Hansegeschichte in den Blick nimmt. Im Mittelpunkt steht jeweils ein einziges Objekt aus der jeweiligen Hansestadt.

Die Stadt Danzig spielte über Jahrhunderte eine wichtige Rolle in der Hanse. Danzig war die Schnittstelle zwischen Ostsee- und Weichselhandel. Wichtigste Handelsgüter waren Getreide, Wachs, Pelze, Honig, Hopfen und Teer. Von Portugal bis Island, Norwegen und Schweden, über den bottnischen Meerbusen bis Finnland, Novgorod, Nürnberg, Prag, die Bretagne und Aquitanien reichten Danzigs Handelsbeziehungen.

Ein besonderes Exponat veranschaulicht die bedeutsame Rolle Danzigs im Verbund der Hansestädte. Der Krug wurde über die Handelsrouten der Hanse nach Danzig gehandelt, wo er zu seinem neuen Besitzer fand und fast 500 Jahre später von Archäologen wiederentdeckt wurde. Er zeugt von der Verbundenheit Danzigs zur Hanse. Dass er im Europäischen Hansemuseum ausgestellt werden kann, zeigt die aktuelle kulturelle Verbundenheit der einstigen Hansestädte Lübeck und Danzig.

2018

2.12.2018 – 3.3.2019

© Lena Morgenstern

Wie fühlt es sich an, unter freiem Himmel und des nachts auf einem einsamen Schiff das Meer zu queren? Die See ist gewaltig und unberechenbar, es bangt einem vor Seeungeheuern und Piraten, dazu die Furcht, sich hoffnungslos zu verlieren. Denn im Mittelalter sind weder Funkgeräte noch Radar erfunden, die Seeleute können sich einzig an den Sternen orientieren…

In der Mitmach-Ausstellung „Segel, Salz und Silberlinge“, konnten Kinder und Eltern im Winter 2018/2019 die Handelsschifffahrt von damals erkunden. Sechs interaktive Stationen galt es zu durchlaufen – eine spannende Seereise und ein wahres Abenteuer. Die Kinder planten ihre Handelsroute, beluden das Schiff, durften ihre erhandelten Waren verkaufen und verstehen, wie der damalige Handel mit fremden Ländern und Völkern funktionierte: Vor allem mühevoll und unbequem. Eine kostbare Erkenntnis in Zeiten, wo Supermarktregale immer gut gefüllt sind: Dass die heutige Warenvielfalt ein sehr wertvolles Gut ist.

18.9. – 18.11.2018

HanseHeroes sind ein Format, das dievielen Hansestädte der langen Hansegeschichte in den Blick nimmt. Im Mittelpunkt steht jeweils ein einziges Objekt aus der jeweiligen Hansestadt.

Unser erster Hansehero war eine Überraschung. Ja, Hannover war Hansestadt! Heute ist dieser Teil von Hannovers Geschichte weitestgehend unbekannt. Dokumentiert ist die Aktivität der Stadt durch eine Liste aus dem dortigen Stadtarchiv, die die Hansestädte von 1556 aufführt. Die Liste wurde angefertigt, um das Einladungsverfahren zu den Hansetagen näher zu regeln. Diskussionen darum lassen sich bis 1540 zurückverfolgen und setzen sich bis in die 1570er Jahre fort. Sie gehören in den Zusammenhang der Reorganisation der Hansestädte in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts.

In einer Mitteilung des Stadtarchivs von Hannover heißt es dazu: „Hannover gehörte nicht zur „ersten Liga“ der Hansestädte wie Lübeck, Hamburg, Bremen, Magdeburg oder Braunschweig. Gleichwohl handelte Hannover im Konzert der anderen Städte aktiv in der Städtehanse und in den regionalen Städtebünden. Diesen Handelsverbindungen verdankte Hannover einen guten Teil seines Wohlstandes und seiner jahrhundertelangen weitgehenden politischen Bewegungsfreiheit als städtisches Gemeinwesen.“

© Olaf Malzahn

9. September 2018 – 6. Januar 2019

Wer so eine alte Lady ist wie Lübeck, der hat etwas zu erzählen. Achthundertfünfundsiebzig Jahre, da kommen eine Menge Geschichten zusammen! Und damit es bei der Ausstellung „875 Jahre – Lübeck erzählt uns was“ im Winter 2018/2019 auch etwas zu sehen gab, waren die Stories aus Hundert einzelnen Objekten mosaikartig zusammengesetzt, an drei verschiedenen Orten.

So berichtete die Schreibmaschine Willy Brandts die Geschichte des 20. Jahrhunderts ganz auf ihre Weise: Denn auf ihr wurden Flugblätter gegen das Nazi-Regime verfasst und so hat sie indirekt mitgeholfen, Widerstand zu leisten. Die sogenannte „Apothekermumie“ hingegen gab das ein oder andere Rätsel auf – doch welche Geheimnisse hatte sie zu verbergen?

Aus jeder Epoche stammten einige Exponate aus Lübecker Sammlungen, die stellvertretend für ihre Zeit den Charakter der Stadt widerspiegeln. Ein Highlight war und ist natürlich das an das Europäische Hansemuseum angeschlossene Burgkloster: Als größtes und begehbares Museumsstück erzählt es beredt von der frühen Stadtentwicklung und der Dänenzeit im frühen 13. Jahrhundert. Die Gemäuer des Dominikanerkonvents flüstern leise davon – Sie müssen nur die Ohren spitzen!

© Olaf Malzahn

10. Mai – 8. Juli 2018

Mit welchen verbalen Werkzeugen finden auch konträre Positionen zueinander? In der Ausstellung „Der Konsens. Europas Kultur der politischen Entscheidung“, die im Frühsommer 2018 in unserem Hause lief, sind wir diesem Thema nachgespürt: Erstaunlich war die Erkenntnis, dass einige der heutigen Mechanismen schon in der Zeit der Hanse bekannt waren, um beispielsweise zögernde Delegierte zu überzeugen. So hat es damals freundschaftliche Konversationen gegeben, ernste Ermahnungen, geheime Gespräche in der Hörkammer oder die Anrufung eines Schlichters – mit dem Ziel der Einigkeit, dem freundlichen und brüderlichen Miteinander.

Und siehe da: Es scheint eine Tradition der einstimmigen Entscheidung zu geben, wie man sie sowohl beim Hansetag als auch beim Rat der europäischen Staats- und Regierungschefs findet. So erfuhren Besucher*innen, welche guten Gründe es für die oft schwierigen Verhandlungen um einen Konsens gibt und weshalb sich alle Beteiligten dadurch größere politische Durchschlagskraft erhoffen – und die Kleinen mehr Schutz vor den Großen. Doch wie gelingt eine solche Entscheidungsfindung ganz praktisch?

2017

© Olaf Malzahn

8. September 2017 – 26. November 2017

Schon beim Ablasshandel Anfang des 16. Jahrhunderts ging es bekanntermaßen ums Geld. Während sich die Gläubigen von ihren Sünden freikaufen wollten, rieben sich römische Kirche und zahlreiche Fürsten angesichts der enormen Einnahmen die Hände. Mit der Reformation begann der Streit um den wertvollen Besitz der Kirche, dieser wurde zwischen dem protestantischen und katholischen Lager gerade in Deutschland erbittert geführt.

Reformation und europäische Realität

In der Ausstellung „Geld. Macht. Glaube. Reformation und wirtschaftliches Leben“ im Herbst 2017 haben wir uns den Fragen zur europäischen Perspektive verschrieben, denn der Kontinent erlebte zahlreiche Reformationen und früh waren Religionsflüchtlinge eine europäische Realität. Diese Fluchtbewegungen veränderten ihrerseits die Wirtschaftswelt. Zugleich markierte die Glaubensspaltung den Beginn einer religiösen Toleranz in Europa: Denn je toleranter ein Land, desto besser für seine ökonomische Entwicklung. Eine Einsicht, die auch heute aktuell ist.

© Olaf Malzahn

19. Mai 2017 – 6. August 2017

Auf diese Frage wollten wir eine Antwort finden – mit der Sonderausstellung 2017 „Pin it! Social Media des Mittelalters #PIEHM“. Dabei haben wir mittelalterliche Tragezeichen mit Symbolen der heutigen digitalen Kommunikationskultur verglichen, den Emojis. Und zu den jahrhundertealten Abzeichen aus Blei-Zinn-Legierungen geforscht, die in ihren Darstellungen von hochheilig bis derb-obszön reichen. Besonders männliche und weibliche Geschlechtsorgane mit Flügeln, Bärten und Beinen ließen uns und unsere Besucher*innen aufgrund ihrer Direktheit staunen.

Erstaunlich schien, dass im Mittelalter diese in der Herstellung preiswerten Tragezeichen von allen Bevölkerungsschichten in Westeuropa an der Kleidung getragen wurden  – eine Art erstes bildliches Massenmedium in Westeuropa?

Über 250 Tragezeichen aus dem 14. bis 16. Jahrhundert waren bei uns zu sehen, und das zum ersten Mal in Deutschland. Den Bogen in die Gegenwart schlugen eine interaktive Fotobox zum Verkleiden, zwei Kunstinstallationen und eine Magnetwand für neue und alte Symbole. Sowie die Aufforderung an die Besucher*innen, selber einen Post in den sozialen Medien zu veröffentlichen.

© Olaf Malzahn

7. Dezember 2016 – 26. Februar 2017

Haben Sie gewusst, wie spanische Eroberer in Südamerika mit Hilfe moderner Minen die glänzenden Schätze geborgen haben? Und wie sie mit brutalen Mitteln die indigene Bevölkerung des Kontinents ausgebeutet haben? Das Edelmetall dominierte damals als Handelsware und Währungsmittel den Weltmarkt, bis der Überfluss zur ersten Inflation führte – ein Aspekt, der gerade im heutigen Welthandel interessant ist.

In der Sonderausstellung Silberglanz und Silbergier, die im Winter 2016/2017 bei uns im Hause lief, waren kunsthandwerklich hochwertige Silberobjekte aus dem 16. bis 18. Jahrhundert der KODE Kunstmuseen Bergen erstmalig außerhalb Norwegens zu sehen – der berühmte Silberschatz aus Bergen. Denn die geschickten Goldschmiede fertigten aus dem Edelmetall wahre Meisterwerke mit speziellen Mustern auf Kronen, Bechern und Tafelsilber an. Gerade diese Details sind es, die auf die verschiedenen Epochen ihres Entstehens hinweisen.

Und heute? Silber ist fast zu einem alltäglichen Material geworden, vielfach verwendet in Schmuck und Technik. Eine bedeutsame Perspektive, die wir in der Ausstellung mit beleuchtet haben.

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