Dr. Verena Weller (Universität Genua / Universität Mannheim)
Frauen im Kreditwesen des mittelalterlichen Montpellier: Zwischen Schulden,
Selbstständigkeit und der ökonomischen Realität im Spiegel
der Notariatsregister (1293–1348)

Frauen als Kreditgeberinnen und Schuldnerinnen sind erst seit Kurzem ein zentrales Thema der Gender- und Mittelalterforschung. In den letzten 25 Jahren wurden vor allem inoffizielle Transaktionen und kleine finanzielle Vorgänge von Schuldnerinnen und Gläubigerinnen im Kleinkreditsektor für die Wirtschaftsgeschichte interessant.

Der Vortrag rückt diese „gewöhnlichen“ Frauen in den Fokus, die im spätmittelalterlichen Montpellier als Gläubigerinnen, Schuldnerinnen oder Bürginnen wirtschaftlich agierten. Grundlage der Untersuchung sind die Notariatsregister der Stadt aus dem späten 13. und frühen 14. Jahrhundert – serielle Quellen, die Einblicke in die ökonomische Lebenswirklichkeit vor- moderner Gesellschaften erlauben.

Anhand konkreter Fallbeispiele und quantitativer Auswertungen zeigt der Vortrag, dass Frauen trotz formaler Einschränkungen regelmäßig am Kreditwesen beteiligt waren. Die Analyse macht deutlich: Rechtliche Norm und gelebte Praxis gingen dabei oft deutlich auseinander.

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Di. · 10. März · 18.00 Uhr
ca. 90 Minuten
Beichthaus