Ausblick auf zwei neue Sonderausstellungen in 2026

Wie Games Geschichte erzählen: Ab dem 9. Oktober 2026 verwandelt sich mit der Sonderausstellung »Let’s play Mittelalter« ein Teil des Lübecker Burgklosters in eine begehbare mittelalterliche Gaming-Welt, die nicht betrachtet, sondern gespielt wird. Keyvisual: © Liquid
Der Höhepunkt des Jahres 2026 ist die Sonderausstellung »Let’s play Mittelalter«, die ab 9. Oktober 2026 im Europäischen Hansemuseum gezeigt wird. Mit »Let’s play Mittelalter« betritt das EHM Neuland. Die Ausstellung zeigt nicht nur, wie Games Geschichte erzählen, sondern macht das Spiel selbst zum zentralen Vermittlungsprinzip. Rund 60 % der Deutschen spielen Videospiele – und die Ausstellung nimmt diesen gesellschaftlichen Wandel ernst: Die Besucher:innen bewegen sich nicht durch klassische Ausstellungsräume, sondern durch eine narrative Spielwelt, in der historische Motive, Popkultur und Forschung miteinander verwoben sind.
»Games sind heute eines der wirkmächtigsten Medien unserer Zeit«, sagt Kuratorin Franziska Evers. »Mit ›Let’s play Mittelalter‹ möchten wir zeigen, wie sich historische Bilder formen und wie sie sich beim Spielen verändern. Wer spielt, begreift leichter.«
Experiment des Museumsmachens
Für die Umsetzung arbeitet das EHM mit Expertinnen und Experten aus Game Design, Szenografie und Medienkunst zusammen. Auch die vielfach ausgezeichnete Agentur Liquid ist erneut an Bord und gestaltet die visuellen Erlebnisräume. Ein eigenes Gaming-Lab ergänzt den Ausstellungsbesuch und ermöglicht das freie Spielen und Ausprobieren. Durch Kooperationen mit Influencer:innen aus der Gaming-Community soll der Diskurs in digitale Öffentlichkeiten ausgeweitet werden. Interaktive Elemente, digitale Erweiterungen und besondere Leihgaben aus anderen Museen sorgen dafür, dass die Ausstellung sowohl Gaming-Fans als auch Geschichtsinteressierte anspricht.
»Let’s play Mittelalter« ist ein Experiment des Museumsmachens – und ein Angebot, Geschichte in einer Sprache zu erleben, die Millionen Menschen täglich nutzen: beim Spielen. Die Sonderausstellung wird vom 9. Oktober 2026 bis 31. Oktober 2027 in Lübeck zu sehen sein.
»Ziemlich privilegiert! Lübeck und die Reichsfreiheit«: Sonderausstellung des Archivs der Hansestadt Lübeck im Burgkloster
Wohl kaum ein anderes Jahr ist so bedeutend für die Lübecker Geschichte wie 1226. Mit der Urkunde Kaiser Friedrichs II. wurde Lübeck in diesem Jahr zur freien Reichsstadt erhoben – ein Meilenstein, der die Stadtentwicklung über Jahrhunderte hinweg politisch, wirtschaftlich und kulturell prägte. Und was heißt es, »ziemlich privilegiert« zu sein? Früher und heute gab und gibt es Sonderrechte für bestimmte Gruppen – im Fall Lübecks sogar für eine ganze Stadt. Der Reichsfreiheitsbrief von 1226 prägte mit seinen Bestimmungen die Hansestadt in Bezug auf ihr Stadtgebiet, ihr Recht, ihre Wirtschaft und ihre Mentalität zum Teil bis heute. Die vom Archiv der Hansestadt Lübeck kuratierte Ausstellung präsentiert Objekte aus Vergangenheit und Gegenwart und zeigt verschiedene Aspekte dieser besonderen »Privilegierung«. Als Höhepunkt wird mit dem Reichsfreiheitsbrief das wohl bedeutsamste Dokument der Lübecker Geschichte im Original gezeigt. Als Rahmenprogramm werden zudem Führungen und Workshops angeboten. Die Ausstellung wird vom 18. Mai bis 23. August 2026 im Burgkloster des Europäischen Hansemuseums zu sehen sein.
Begleitet wird das Reichsfreiheits-Jubiläumsjahr von einer Vortragsreihe »Ziemlich viel Freiheit« des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde (VLGA), die die Geschichte städtischer Autonomie nachzeichnet und die Sonderausstellung flankiert. In diesem Rahmen gibt es in Kooperation mit der Forschungsstelle für die Geschichte der Hanse und des Ostseeraums (FGHO) auch einen Vortrag im Europäischen Hansemuseum. Dieser findet am 8. September 2026 unter dem Titel »Lübecks hansestädtische ›Sicherheitsarchitektur‹ – Schutzbündnisse und Konföderationen als Mittel zur Wahrung städtischer Autonomie« statt.
Weitere Infos zum Programm gibt es online unter vlga.de.
Neues aus der Forschung
Die am EHM angesiedelte Forschungsstelle für die Geschichte der Hanse und des Ostseeraums setzt auch im Jahr 2026 ihre erfolgreiche Citizen Science Arbeit fort. Das laufende Projekt zur Transkription der Lübecker Seegerichtsakten erschließt weiterhin wertvolle Quellen zur Schifffahrts- und Handelsgeschichte des 17. Jahrhunderts und bringt Bürgerforschung und Wissenschaft eng zusammen. Am 24. April 2026 findet erneut ein Citizen Science Tag in Lübeck statt; erstmals wird es im September auch einen Termin in Bremen geben.
Vom 25. bis 28. Mai 2026 findet die Jahrestagung des Hansischen Geschichtsvereins (HGV) im Europäischen Hansemuseum statt. Damit tagt der renommierte Geschichtsverein, der als »Historische Kommission« sowohl interessierte Laien als auch führende Fachvertreter:innen der Hanseforschung vereinigt, nach zahlreichen auswärtigen Jahrestagungen in anderen Hansestädten erneut in Lübeck. Unter dem Titel »Macht verhandeln, Geschichte erinnern« widmet sie sich den politischen Dimensionen historischer Deutung und bietet Mitgliedern wie auch Hanse-interessierten Gästen zwei Tage mit Fachvorträgen und einem öffentlichen Abendvortrag. Das EHM als Tagungsort lädt dabei in besonderer Weise dazu ein, über Formen der Erinnerungskultur nachzudenken: Wie wird Hansegeschichte inszeniert und vermittelt? Welche Narrative werden tradiert, welche aktualisiert – und mit welchen Absichten?
Für die Teilnahme wird eine Tagungsgebühr erhoben. Weitere Infos unter hansischergeschichtsverein.de.



