›Die Hanse‹

Dauerausstellung

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Mut, Macht und Mythos – auf den Spuren der Hanse im Europäischen Hansemuseum Lübeck

Als niederdeutsche Kaufleute aus Soest, Münster, Groningen und Lübeck im Jahr 1193 am Ufer des Flusses Newa landeten, ahnten sie noch nicht, dass sie eine mächtige Vereinigung mitbegründeten, die ab dem 14. Jahrhundert als »Dudesche Hense« bekannt wurde. Was zunächst ein loser Verbund von Fernkaufleuten für anstehende Handelsgespräche in der Stadt Nowgorod war, sollte sich in den nächsten Jahrhunderten zum einflussreichsten Wirtschafts- und Städteverbund Nordeuropas entwickeln.

Die Hanse
Das Europäische Hansemuseum Lübeck zeigt die facettenreiche Entwicklung des Zusammenschlusses von Kaufleuten bis hin zu einem führenden Handelsnetzwerk mit über 200 Städten. Der Wagemut der Hansekaufleute, das Leben in der Fremde, Reichtum, Prunk und Pracht sowie der alles Handeln bestimmende Glaube sind ebenso Thema der Ausstellung wie die endgültige Auflösung des einstigen Handelsnetzwerkes. Dabei wird den Gästen die Möglichkeit gegeben, besondere Schlüsselereignisse der Hansegeschichte in rekonstruierten Szenen zu erkunden. So können sie zum Beispiel nachvollziehen, wie sich eben jenes Zusammentreffen an der Newa abgespielt haben könnte, während sie an zwei originalgetreu nachgebauten Koggen vorbeigehen. »Mit der Mischung aus rekonstruierten Szenen, wertvollen Exponaten und interaktiv vermitteltem Fachwissen bieten wir einen spannenden und sorgfältig recherchierten Einblick in die Hanse«, sagt die geschäftsführende Direktorin des Hansemuseums, Dr. Felicia Sternfeld. So erfahren die Besucher:innen bei ihrem Rundgang durch die Ausstellung, wie es sich in den auswärtigen Niederlassungen der Hanse, den sogenannten Kontoren, zugetragen haben könnte. Sie begehen eine belebte Verkaufshalle in Brügge, den »Stalhof« in London sowie einen wichtigen Umschlagplatz, vor allem für Stockfisch, in Bergen. Und auch Lübeck, das sogenannte »Haupt der Hanse«, ist immer wieder Ort bedeutender Momente in deren Entwicklung. Hier werden beispielsweise die Auswirkungen der Pest im 14. Jahrhundert thematisiert, deren Ausbreitung in ganz Europa ein Indiz für die hohe Mobilität der niederdeutschen Kaufleute war. Außerdem wird die Versammlung von Vertretern der Hansestädte beim sogenannten Hansetag in Szene gesetzt.

In der Ausstellung veranschaulichen zudem zahlreiche wertvolle Originalobjekte, seltene Dokumente, Gemälde und Sammlungsstücke eindrucksvoll das Leben und Arbeiten der niederdeutschen Kaufleute. Zu den Besonderheiten gehören auch ausgewählte Leihgaben, die aus internationalen Museen in Brügge, London und Stockholm stammen. So werden zum Beispiel Silbermünzen aus dem »Schatzfund von Gotland« gezeigt, die vom Reichtum der Insel im Mittelalter sowie deren Handelsverbindungen mit dem westlichen Europa seit der ersten Jahrtausendwende zeugen. Ein weiteres Highlight ist eine Gürtelschnalle mit Tierornamentik aus dem 12. Jahrhundert, die aus den Städtischen Museen Brügge stammt. Außerdem wird den Besucher:innen an interaktiven Medienstationen und durch Informationsgrafiken ermöglicht, wirtschaftliche Zusammenhänge, Reiserouten und das Alltagsgeschehen zur Zeit der Hanse ausführlich zu ergründen.

Ein besonderer Ausstellungsteil ist darüber hinaus die archäologische Grabungsfläche. Sie erzählt von den Anfängen der Besiedlung um das Jahr 800 sowie der Stadtgründung Lübecks im Jahr 1143 und offenbart die neuesten Erkenntnisse zu der 1.200 Jahre alten Geschichte des historisch bedeutungsvollen Ortes, an dem das Europäische Hansemuseum entstanden ist.

Burgkloster zu Lübeck
Ein weiterer wesentlicher Bestandteil des Hansemuseums ist das Burgkloster zu Lübeck, eine der bedeutendsten mittelalterlichen Klosteranlagen Norddeutschlands. Der ehemalige Dominikanerkonvent aus dem 13. Jahrhundert wurde mit Hilfe von Bundesmitteln aufwendig saniert und restauriert und wird in Zukunft besonderer Aufsicht unterliegen, um die architektonischen und künstlerischen Hinterlassenschaften weiterhin zu konservieren. In einem gesonderten Rundgang durch das Kloster erfahren die Besucher:innen mithilfe eines Audioguides Einzelheiten zur Geschichte des Klosters. Außerdem können sie sich die besonderen Schmuckfußböden in der Sakristei und dem Hospital, Wandmalereien aus verschiedenen Epochen und die für den Konvent äußerst bedeutsamen Schlusssteine der Gewölbe erläutern lassen.

Die Nutzungsgeschichte des Burgklosters hat zahlreiche Dimensionen und reicht bis in die unmittelbare Gegenwart. Es war nach der Reformation Armenhaus, später Hospital, dann Gefängnis und mit einer baulichen Ergänzung auch Gerichtsgebäude. Die Sozialgeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts, der Nationalsozialismus sowie die Nachkriegsgeschichte haben an diesem Ort ihre Spuren hinterlassen, die erhalten und nachvollziehbar gemacht worden sind.

Die Architektur
Die Architektur des Museumsneubaus setzt mit einer Mischung aus handwerklich feinster Backsteinmaterialität und eleganter Moderne ein selbstbewusstes Zeichen in den Stadtraum. Linien in der Fassade deuten subtil versteckt die Konturen von Bauwerken an, die früher an diesem Ort gestanden haben.

Die zentrale, öffentliche Treppe verbindet mit großzügiger Geste den historischen Hafen mit der höher gelegenen Altstadt. Terrassen, Höfe, ein Spielplatz und Gastronomie, die darüber erschlossen werden, ermöglichen einen grandiosen Blick auf Stadt und Hafen und schaffen so einen Ort von hoher Aufenthaltsqualität.

(Veröffentlicht: 20. Mai 2020)
(Veröffentlicht: 20. Mai 2020)

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