Tag der Seefahrer am 25. Juni

Am 25. Juni ist offizieller Tag der Seefahrer, der von der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) seit 2011 ausgerufen wird. Das Europäische Hansemuseum in Lübeck thematisiert in seiner Dauerausstellung „Die Hanse“ Seefahrer im 12. Jahrhundert, die von Lübeck über das gotländische Visby zu Fernhandelsreisen nach Nowgorod in Russland aufbrachen.

Wussten Sie schon, dass…?
…die niederdeutschen Seefahrer im 12. Jahrhundert auf den Handelsreisen von Gotland nach Nowgorod vor allem die Küstenlinie, die Sterne und ein Lot benutzten, um zu navigieren?

Seefahrer zu Beginn der Hansezeit im 12. Jahrhundert
Die Seefahrt zu Anfang der Hansezeit war ein gefährliches und hartes Unterfangen. Auf ihren Handelsreisen waren die niederdeutschen Kaufleute zahlreichen Gefahren ausgesetzt: Überfälle durch Piraten, Seekriege und widrige Wetterbedingungen. Als Handelsschiff nutzen sie zu dieser Zeit u.a. eine frühe Form der Kogge: Diesen Segelschiffstyp zeichnete im 12. Jahrhundert ein flacher Rumpf sowie vergleichsweise hohe Seitenwände in Klinkerbauweise aus, wodurch er bei einer Länge von bis zu 21 Metern maximal 42 Tonnen Ladung tragen konnte.

Diese packten die Kaufleute meist in Fässer, Tonnen, Säcke oder Ballen. Die Fässer dienten allerdings nicht allein für den Transport flüssiger Produkte wie Wein und Bier. Als „Container des Mittelalters“ schützten sie ganz unterschiedliche und besonders wertvolle Waren vor Stößen und Feuchtigkeit. So wurden auch die in Nowgorod gekauften kostbaren Pelze beispielsweise in Fässern verstaut und verschifft.

Das Leben an Bord einer Kogge
Wie groß die Besatzung einer Kogge im 12. Jahrhundert war, ist nicht genau überliefert. Spätere Quellen und die Erfahrung beim Segeln auf nachgebauten Schiffen lassen allerdings vermuten, dass die Mannschaft im 14. Jahrhundert aus mindestens elf Personen bestanden haben muss. Neben dem Schiffer, häufig der Eigentümer der Kogge und gleichzeitig Kaufmann, waren noch der Steuermann zum Lenken des Heckruders und mehrere Seeleute an Bord. Letztere bedienten das Segel und den Anker und hielten die Takelage instand. Zum Lösen des Segels kletterte ein Seemann in den sogenannten Backstag hoch in den Mast und ließ das Rahsegel herunter. Beim Einholen des Ankers mussten mindestens vier Leute mit anfassen. Außerdem waren noch ein Koch und oft ein Geistlicher mit den Seefahrern an Bord. Dieser Priester brachte einen Reisealtar mit und war auf das Seelenheil der Seefahrer bedacht. Die Besatzung blieb meist die gesamte Seefahrt über an Bord. Wenn der Wind günstig stand, mussten die Seeleute ohne Pause arbeiten – bei Flaute waren sie manchmal über mehrere Tage ohne wirkliche Beschäftigung

Die Mannschaft lebte und schlief nicht etwa in Kabinen, wie es heute auf Transportschiffen der Fall ist, sondern zwischen der Ladung und den Tauen unter freiem Himmel und auf engstem Raum. Bei Wartezeiten und gutem Wetter hielten sie sich auf offenem Deck auf und vertrieben sich die Zeit mit Spielen: Das auch heute noch bekannte Mühle-Spiel sorgte schon damals für Unterhaltung. Würfel sowie und Spielbretter wurden aus Holz geschnitzt oder auf das Deck gezeichnet.

Schiffsnavigation im Mittelalter
Die beschwerliche Fahrt von Lübeck nach Nowgorod dauerte im 12. Jahrhundert je nach Windverhältnisse sehr lang, meist etwa drei Monate, und verlangte den Seeleuten einiges ab. Für eine sichere Navigation hatte der Steuermann natürlich noch kein GPS-Gerät zur Verfügung; auch genaue Karten gab es noch nicht. Der Steuermann orientierte sich stattdessen an der Küstenlinie: Flussmündungen und auffällige Landschaftsmerkmale wurden mündlich über Generationen vermittelt und später in sogenannten Seebüchern aufgeschrieben. Mit einem Senklot, eine mit Bleigewichten und Knoten versehene Leine, bestimmten die Seeleute die Wassertiefe und Beschaffenheit des Meerbodens. Außerdem orientierten sich die Seefahrer im Ostseeraum am Himmel, um das offene Meer ohne Landsicht zu überqueren. Der Polarstern im Norden diente als Navigationshilfe. Dabei war es wichtig, das Schiff stets im gleichen Winkel zum Stern zu halten und genaue Abfahrtszeiten einzuhalten – wenn der Polarstern am Morgen verblasste, musste die gegenüberliegende Küste bereits in der Nähe sein, um wieder auf Sicht fahren zu können.

Inszenierung "Die Anfänge: Newa und Nowgorod 1193" in der Dauerausstellung "Die Hanse".


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