Programm 2022 und Weiterentwicklung der Dauerausstellung

2022 im Europäischen Hansemuseum

Im Europäischen Hansemuseum stehen 2022 spannende Veränderungen auf dem Plan. Ab 1. Januar 2022 können Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre kostenfrei das EHM besuchen. Ebenfalls ab Januar wird die Dauerausstellung weiterentwickelt: Neben einer Neuinszenierung des Raums »Prestige – London um 1500« wird auch das Ende der Ausstellung neugestaltet. Eine Sonderausstellung widmet sich ab dem 7. Oktober 2022 unter dem Titel »Guter Stoff. Textile Welten von der Hansezeit bis heute« der Textilgeschichte der Hansezeit und spannt dabei den Bogen zur heutigen Textilindustrie mit besonderem Fokus auf dem Thema Nachhaltigkeit. Ein kurzer Rückblick präsentiert das vergangene Jahr 2021.

Im Rahmen der Jahrespressekonferenz haben Dr. Felicia Sternfeld und ihr Team die Pläne des Europäischen Hansemuseums für 2022 vorgestellt. Veränderungen stehen im Bereich der Dauerausstellung an: Ab dem 1. Januar 2022 erhalten Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre freien Eintritt in die Dauerausstellung sowie sämtliche Sonderausstellungen. Damit setzt das EHM nicht nur einen lang gehegten Wunsch in die Tat um, sondern kommt seinem Bildungsauftrag noch besser nach und erhöht die Familienfreundlichkeit des Museums. Ab dem 3. Januar 2022 beginnen die Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Dauerausstellung »Die Hanse«. »Wir möchten unseren Besucher:innen auch zukünftig ein einmaliges, lebendiges wie lehrreiches Erlebnis in unserer Ausstellung bieten – dazu gehört auch, dass wir uns kontinuierlich weiterentwickeln. Die Themen Besuchsfreundlichkeit und Barrierefreiheit stehen im Fokus unserer Weiterentwicklung«, sagt Felicia Sternfeld zu den geplanten Maßnahmen. Die Umsetzung sieht auch diverse Baumaßnahmen vor. Die größte Umgestaltung liegt dabei im letzten Abschnitt der Ausstellung. Um den Besucher:innen ein umfassendes Bild des Kaufmannsbundes von den Anfängen bis heute zu bieten, soll der Rundgang künftig im Neubau des Museums enden. Dafür wird die Inszenierung »Bergen 1764«, die sich derzeit noch im 1. OG des Burgklosters befindet, in den Neubau verlegt. Zudem ist geplant, die Ausstellung mit einer erzählerischen Schlusspräsentation zu beenden, die nicht nur eine Verbindung zur heutigen Zeit herstellt, sondern Gästen auch die Möglichkeit gibt, das zuvor Erlebte Revue passieren zu lassen. Um die Teilhabe sämtlicher Besuchsgruppen für den gesamten Rundgang zu gewährleisten, wird der Treppenaufgang, der die Gäste bisher aus der Ausstellung hinausführt, um einen Fahrstuhl ergänzt. Ein besonderes Highlight wird der Umbau des Abschnitts »Prestige – London um 1500«, zu einer atmosphärischen Inszenierung. »Die neue Inszenierung lässt unsere Gäste an das Ufer der Themse reisen und einen Blick in das Londoner Kontor Stalhof werfen. Hier sollen sie Einblick in den Alltag der niederdeutschen Kaufleute in London 1478 erhalten«, erläutert André Dubisch, Projektleiter der Weiterentwicklung.

Wegen der anstehenden Baumaßnahmen beenden die Gäste ab dem 3. Januar 2022 den Rundgang in der Inszenierung Brügge und werden von dort wieder ins Foyer zurückgeleitet. Schritt für Schritt wird dann der zweite Teil der Dauerausstellung wieder geöffnet, um den Besucher:innen so rasch es geht wieder volle 800 Jahre Hansegeschichte präsentieren zu können. Die Preise für den Besuch der Dauerausstellung werden dementsprechend angepasst und betragen zunächst 9 Euro für Erwachsene, 7 Euro ermäßigt. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren besuchen die Dauerausstellung ab 2022 kostenfrei – das gilt auch für die Zeit nach Abschluss der Weiterentwicklung.

In der Zeit während des Umbaus steht darüber hinaus allen Gästen, die das Museum besuchen ein 3D-Rundgang der Dauerausstellung zur Verfügung, der ab der Inszenierung »Macht – Brügge 1361« mit zusätzlichen Inhalten aus der Ausstellung, wie zum Beispiel den Audiostationen, ergänzt wird.

Einen intensiven wie unterhaltsamen Blick auf die Geschichte der Hanse erhalten die Besucher:innen des EHM auch nach wie vor in der Sonderausstellung »Hanse steinreich – eine LEGO Zeitreise«, die noch bis einschließlich 24. Juli 2022 zu erleben ist.

Im April 2021 fiel der Startschuss für das Projekt »Abenteuer Hanse«, einen digitalen Rundgang durch die Dauerausstellung, der gemeinsam mit der Spieleentwickler-Firma Wegesrand entsteht. »›Abenteuer Hanse‹ schafft neue und spielerische Zugänge zu den Inhalten des Europäischen Hansemuseums. Unser Ziel ist es, eine neue Erzählebene zu schaffen, um Hansegeschichte erlebbar zu machen und auch Gäste anzusprechen, die nicht so viel Text lesen möchten«, betont EHM-Mitarbeiter Timo Knoth. Der Rundgang schickt Gäste mit Tablets oder dem eigenen Smartphone in die Hansezeit auf die Suche nach dem verschollenen Sohn einer Wissenschaftlerin. In den Inszenierungen »An der Newa um 1193«, »Brügge 1361« und »Hansetag Lübeck 1518« lösen die Gäste Rätsel und Mini-Games und erkunden so die Geschichte des niederdeutschen Kaufmannsbundes. Der digitale Rundgang ist Teil der Weiterentwicklung der Dauerausstellung und baut die Familienfreundlichkeit noch stärker aus. Der Fokus liegt dabei auf Zukunftsfähigkeit und Nachhaltigkeit, denn das Konzept der Firma Wegesrand umfasst die Option, den Rundgang bei Bedarf unkompliziert anzupassen und zu erweitern. Das neue Vermittlungsformat soll ab Sommer 2022 für Gäste buchbar sein. Entwickelt wird »Abenteuer Hanse« im Rahmen von »dive in. Programm für digitale Interaktionen« der Kulturstiftung des Bundes, gefördert durch die Beauftragte für Kultur und Medien (BKM) im Programm NEUSTART KULTUR und war mit einem sechsstelligen Betrag dotiert.

Für den Herbst ist eine innovative Sonderausstellung im Europäischen Hansemuseum geplant: »Guter Stoff. Textile Welten von der Hansezeit bis heute« wird vom 7. Oktober 2022 bis 23. April 2023 im 1. OG des Burgklosters im EHM zu sehen sein. Sie spannt den Bogen von einer ersten Konsumrevolution des Mittelalters bis hin zur heutigen Textilindustrie. Im Fokus steht eines der wichtigsten Alltagsprodukte überhaupt – Stoffe. Unsere Gesellschaft war und ist durch Stoffe weltweit vernetzt. So sind auch die Diskussionen um Mode und Verschwendung, faire Arbeitsbedingungen und Produktqualität zeitlos. Die Sonderausstellung wirft den Blick zurück in die Hansezeit, als die Hansekaufleute Stoffe in ganz Nordeuropa handelten. Die hochwertigen Produkte brachten Wohlstand für ganze Regionen und schufen als wichtiges Handelsgut ein nordeuropäisches Handelssystem. Gleichzeitig stellt die Ausstellung einen Zusammenhang zur heutigen Zeit her: Auch heute sind Stoffe, vor allem in Form von Kleidung als Symbol für alltägliche Verschwendung in der Diskussion um Nachhaltigkeit sehr präsent. Das EHM widmet sich dabei der immer drängenderen Frage, wie sich eine faire, gesunde Welt und unser Bedarf an Textilien in Einklang bringen lassen: Ist Globalität eine Gefahr für Natur und Mensch oder kann sie auch Lösungen für unsere aktuellen Krisen bringen und wie sieht die Zukunft der Stoffe und Mode aus?

Ein Blick auf die Forschung

Eng involviert in das neue Ausstellungsprojekt »Guter Stoff« ist auch die Forschungsstelle für die Geschichte und des Ostseeraums (FGHO), die am Europäischen Hansemuseum angesiedelt ist. Neben ihrem Fokus auf Textilien und Stoffen aus der Hansezeit, widmet sich die Forschungsstelle auch 2022 wieder der Citizen Science Arbeit, die bereits 2020 begonnen hat. So ist für das Frühjahr ein weiterer »Hanse.Quellen.Lesen! Citizen Science-Tag« in Planung, bei dem Hobbyhistoriker:innen hinter die Kulissen des Wissenschaftsbetriebes blicken können. Die Veranstaltung bringt Forscher:innen, Bürger:innen und Quellen zusammen und wartet mit einem umfangreichen Programm auf – inklusive der Möglichkeit, selbst an Hanse-Quellen zu tüfteln und sie zu transkribieren oder zu übersetzen. Ziel ist es, die Bürger:innen stärker an die Hanseforschung heranzuführen und mit ihnen in Austausch zu kommen. Eine enge Zusammenarbeit ist darüber hinaus auch mit dem Archiv der Hansestadt Lübeck geplant.

Rückblick: Die Zahlen für 2021

Ein weiteres Jahr unter herausfordernden Bedingungen geht zu Ende. Die Schließung des Europäischen Hansemuseums während des Lockdowns im ersten Quartal bis zum 22. März 2021 nutzte das Museums-Team, um seine digitalen Aktivitäten weiter auszubauen. So entwickelte das Team eine Online-Führung via Zoom durch den 3D-Scan der Sonderausstellung »Störtebeker & Konsorten – Piraten der Hansezeit?« und veranstaltete den ersten digitalen »Game Jam Hanse«. Bei dem Hackathon für digitale Spiele entstanden in kürzester Zeit vier Prototypen, die die Inhalte des EHMs aufgriffen und in innovative Spiele umsetzten. Neben der konkreten Entwicklung stand auch der Austausch mit den jungen Teilnehmenden aus den Bereichen Game Design und Geschichtswissenschaften im Vordergrund. Die daraus gewonnen Erkenntnisse

konnten sogleich in die Gestaltung des digitalen Rundgangs »Abenteuer Hanse« mit einfließen. Mit der Einführung eines Online-Tickets mit Zeitfenster gelang dem Museum ein weiterer Meilenstein in Bezug auf Digitalisierung und Zukunftsfähigkeit. Zwar war die Anzahl der Gäste, die sich gleichzeitig in den Ausstellungsräumen des EHM aufhalten durften begrenzt, dennoch hat das Museum viele Besucher:innen begrüßen dürfen. Insgesamt wurden rund 59.000 Besuche gezählt (Stand 30. November 2021). Als großer Publikumsmagnet erwies sich die Sonderausstellung »Hanse steinreich – eine LEGO Zeitreise«, die bisher 23.000 Besucher:innen begeisterte. 2021 haben insgesamt 364 Gruppen das EHM besucht, davon 184 Schulklassen. Darüber hinaus lockten kleinere und größere Veranstaltungen Besucher:innen zum Europäischen Hansemuseum. Darunter auch die erste Ausgabe des zweitägigen Kulturfestes »Unter dem Ahornbaum«, bei dem im August unter dem Motto »Lübeck feiert mit Rostock« Kulturschaffende der beiden Hansestädte auf dem Museumsgelände zusammenkamen und dem Publikum ein vielfältiges Programm aus Musik, Tanz, Performance und Kunst boten.

Im digitalen Raum konnte das EHM ebenfalls zahlreiche Besucher:innen anlocken. Bis zum 30. November 2021 wurden insgesamt rund 190.000 digitale Besuche gezählt (Personen, die über die Website sowie Social-Media-Kanäle mit Inhalten des Museums in Berührung gekommen sind).

(Veröffentlicht: 14. Dez 2021)